Öffentliche Parkflächen sind der erste Kontaktpunkt zum Besucher einer Stadt und damit ein öffentlicher Ort der ersten Güte - ein Blick hinter die Kulissen.

Das Gesicht einer Stadt zeigt sich an den öffentlichen Orten – Museen, Märkte, Einkaufsstraßen, Cafés und Bars. Das Gesicht einer Stadt zeigt sich aber auch vor allem bei den Parkflächen. Sei es on street oder off street - der Parkraum ist der erste Kontaktpunkt zum Besucher und somit ein öffentlicher Ort erster Güte. Oder kurz gesagt: Der Parkraum ist die Visitenkarte der Stadt. Wir blicken in diesem Artikel hinter die Kulissen der Parkraumbewirtschaftung und nehmen Sie mit auf eine Tour durch den Arbeitsalltag.

7 Uhr. Begleitet vom Duft frischen Kaffees wird die erste Excel Tabelle geöffnet. In der Parkraumbewirtschaftung gibt es viele davon. Alles wird penibel festgehalten. Aber so findet man mit wenigen Mausklicks alle wichtigen Informationen: Quittungsbelege der Einnahmen der Parkautomaten, Listen von Dauerparkkunden, Termine für wiederkehrende Prüfungen für Brandschutz und Aufzüge. Die Listen sind lang. Das Routinegeschäft kann starten. Allerdings ist das Tagesgeschäft nur bedingt planbar. Jederzeit kann das Bereitschaftstelefon klingeln. Doch an diesem Morgen ist es ruhig und so führt der erste Weg an diesem Morgen zur Bank.

Klick, klick, klick macht es, als der Automat im Vorraum der Bank erneut die Münzen zählt. „Heute funktioniert der Automat hervorragend“, erzählt Martin Rüther. „Das hört man!“ Und tatsächlich. Der Automat zählt kontinuierlich die Münzen. Der Inhalt eines kleinen, feinvorsortierten Geldsacks nach dem nächsten wird in den Zählautomaten gekippt. Münze um Münze verschwindet im Automaten. Ein letzter Check, ob der eingezahlte Betrag mit dem zuvor gezählten Betrag übereinstimmt – Einzahlung buchen!

Jeden Tag wird das Bargeld des Vortages gezählt und anschließend zur Bank gebracht. So fanden im letzten Jahr rund 10,9 Tonnen Hartgeld den Weg zum Münzzählautomaten. Eine hohe Zahl, bedenkt man, dass es auch noch andere Bezahlmöglichkeiten gibt. „An unseren Automaten wird am häufigsten mit Kleingeld bezahlt“, erklärt Martin Kaufhold. Zusammen sind die beiden Martins der Parkraumbewirtschaftung u.a. für das Geldgeschäft und die Verwaltung der Parkhäuser, Automaten und der Dauerparkplätze zuständig. Insgesamt kommt der Geschäftsbereich auf vier fest angestellte Mitarbeiter und den Geschäftsbereichsleiter Horst Meier. Die Branche ist klein. Experten selten. Und so werden unsere Kollegen gerne als Berater bei Fragen rund um das Parken herangezogen. Aktuell stehen sie bei der Sanierung des Parkhauses Marktpassage in Neheim beratend zur Seite, welches bereits jetzt von den Stadtwerken Arnsberg bewirtschaftet wird.

Parkraum

In der Altstadtgarage wartet währenddessen Thierry Effinier. Der gebürtige Belgier ist Hausmeister und betreut mit seinem Kollegen Christopher Severin im zwei-Schicht-System die drei eigenen Parkhäuser der Stadtwerke. Dabei gehen ihre Aufgaben weit über die einer gewöhnlichen Hausmeistertätigkeit hinaus. Sie sind ebenfalls, wie die beiden Martins, Experten für Parktechnik und Anlagen. Sie warten die Schrankenanlagen und Automaten, übernehmen die Reinigung der Parkhäuser, erledigen kleinere Reparaturarbeiten und beseitigen Störungen. Da der Geschäftsbereich zunehmend softwarebasierter wird, werden die Mitarbeiter regelmäßig geschult und weitergebildet.

Heute hat sich der Techniker für den Aufzug angekündigt. Dieser verweigert seit dem Wochenende den Dienst. Die Ursache ist schnell gefunden: „Es hat jemand in den Aufzugschacht gepinkelt und dabei einen Kurzschluss ausgelöst“, lautet die nüchterne Diagnose des Technikers. Wie der Unbekannte dies geschafft hat, bleibt ein ungelöstes Rätsel. Immer wieder werden Parkhäuser als öffentliche Toilette zweckentfremdet und geraten in den Fokus von mutwilligem Vandalismus. Komplett demolierte Toilettenanlagen mit abgetretenen Waschbecken und Urinalen in der Karnevalszeit gehören leider genauso zu den immer wiederkehrenden Vandalismus-Vorfällen, wie auch die Beschädigung der Schrankenanlage.

Meistens von alkoholisierten Jugendlichen, die einfach nur mal ganz lässig gegen die Schranke treten wollten und dabei ihre Kraft unterschätzt haben oder Autofahrern, die sie irgendwie übersehen haben. Dass es aber auch noch eine Nummer extremer geht, zeigen zwei Taten von schwerer Brandstiftung, die von einem dummen Jugendstreich weit entfernt sind. Nach einem Einbruch in ein Auto, entwendeten die Täter aus diesem einen Kanister Benzin und zogen eine 50 Meter lange Benzinspur von der Einfahrt des Parkhauses bis zur Ausfahrt hinter sich her, die sie schließlich anzündeten. „Zum Glück ist das Feuer von alleine wieder ausgegangen“, erzählt einer der Martins. „Bei den Temperaturen fängt der Asphalt irgendwann an zu brennen!“ Mysteriös bleibt bis heute der Brand im Parkhaus, bei dem ein Neuwagen komplett ausgebrannt ist. Das Parkhaus war nach dem Brand monatelang nur eingeschränkt nutzbar, da erst ermittelt werden musste, in welchem Umfang die Statik beeinträchtigt wurde. Anzeigen schreiben gehört leider auch zum täglichen Geschäft.

Parkraum

Zum Schutz von Kunden und vor Vandalismus sind die Parkhäuser alle mit einer Videoüberwachung ausgestattet. Die Kameras übertragen live in die Zentrale auf dem Stadtwerke Gelände und ins Trilux Parkhaus. Die Aufnahmen werden nach der gesetzlichen Frist gelöscht. Bis dahin dienen die Videos meistens zur Aufklärung von Schadens- und Versicherungsfällen. Auch die Polizei fragt regelmäßig an.

Laut Definition beschreibt der Begriff Parkraumbewirtschaftung die Steuerung des Verhältnisses von Parkplatzsuchenden zur Menge der verfügbaren Parkplätze im öffentlichen Straßenraum. Die Parkraumbewirtschaftung kommt besonders dann zum Tragen, wenn es einen Nachfrageüberschuss der parkenden Fahrzeuge zu den verfügbaren Stellplätzen gibt. Im Arnsberger Stadtgebiet ist dies vor allem in Neheim und Alt-Arnsberg der Fall. In diesen beiden Stadtteilen stehen, neben den über 600 Stellplätzen in den Stadtwerke-eigenen Parkhäusern, insgesamt 49 Parkscheinautomaten für rund 1.000 öffentliche Parkplätze zur Verfügung. Die regelmäßige Wartung und Kontrolle der Automaten gehört genauso zum Aufgabengebiet der Parkraumbewirtschaftung, wie die tägliche Leerung und Auffüllung der Automaten. Eine elektronische Anzeige gibt bei den Automaten im Parkhaus den Stand an den verschiedenen Wechselgeldsorten an, die nach Bedarf wieder aufgefüllt werden. Gleiches gilt für die Rolle der Parktickets. Nach 6.500 gezogenen Tickets muss eine Neue her. Ein bisschen öfter müssen die Tickets an den Neheimer Parkhotspots Engelbert- und Mühlenplatz sowie an der Alten Feuerwache und am Johannes Hospital nachgefüllt werden. Pro Jahr werden in den Parkhäusern rund 300.000 Tickets gedruckt. Bei den Parkscheinautomaten sind es knapp 700.000 Tickets. Die Anzahl der elektronischen Tickets durch SMS-Parken und App liegt bei 130.000 pro Jahr. Ein teures Vergnügen. Aufgefangen werden die Kosten von langfristigen Werbepartnern.

Zurück in der Zentrale heißt es back to basics. Die Verwaltung der Dauerparker steht an. Neue Verträge kommen rein. Alte Mietverträge werden gekündigt. Die Daten müssen im System gepflegt werden. Neue Parkkarten gedruckt und alte deaktiviert werden. Rechnungen werden geschrieben. Im Trilux Parkhaus und in der Altstadtgarage gibt es derzeit jeweils rund 100 Dauerparker. Im Parkhaus Möhnepforte 70.

Ein Blick auf die Fernwirktechnik verrät, ob alle Anlagen noch einwandfrei laufen. Heute ist alles ruhig. Da klingelt das Bereitschaftstelefon. Eine Frau möchte eine Quittung über die Parkapp ziehen. Kein Problem. Sie bekommt eine detaillierte Anleitung per Telefon. Die häufigsten Nachfragen und Störungsmeldungen kommen auf diesem Weg rein und dann heißt es, eine Lösung zu finden. Das Tagesgeschäft muss warten. Vielleicht klingelt das Telefon heute noch öfter. Vielleicht nicht. Kein Tag ist wie der andere in der Parkraumbewirtschaftung.

Das Team der Parkraumbewirtschaftung
Das Team der
Parkraumbewirtschaftung
Thierry Effinier

Thierry Effinier:

Die Liebe hat den gebürtigen Belgier ins Sauerland geführt. Das Interesse an der Parkraumtechnik schließlich zu den Stadtwerken.

Martin Rüther

Martin Rüther:

Der gelernte Elektriker ist seit 14 Jahren bei den Stadtwerken Arnsberg. Sein Weg führte ihn allerdings nicht direkt zur Parkraumbewirtschaftung, sondern erst durch einen kleinen Umweg über die städtischen Schwimmbäder.

Martin Kaufhold

Martin Kaufhold:

10 Minuten braucht er aus Neheim bis zu den Stadtwerken. Anfänglich bei der Wasserversorgung wechselte er 2011 zur Parkraumbewirtschaftung.

Christopher Severin

Christopher Severin:

In seiner Brust schlagen zwei Herzen: Eins für die Freiwillige Feuerwehr und eins für die Parkraumbewirtschaftung.

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