Holzheizwerk Berliner Platz

Holzheizwerk Berliner Platz
@Christoph Meinschäfer Fotografie

Der Campus Berliner Platz in Arnsberg-Hüsten beheimatet vier Schulen mit insgesamt 13 Schul- und Sportgebäuden. Insgesamt rund 21.000 m² stehen somit für weiterführende Schulformen, dem Freizeitsport und kulturellen Veranstaltungen zur Verfügung. Die Stadtwerke Arnsberg haben auf Grundlage eines Gutachtens aus dem Jahr 2009 zur Wärmeversorgung aller schulischen Liegenschaften ein zentrales Heizwerk errichtet, welches seit Herbst 2012 alle 6 dezentralen Heizungsanlagen ersetzt hat und primär mit Holzhackschnitzeln aus unseren heimischen Wäldern und der Landschaftspflege befeuert wird.

Um das nachhaltige Projekt zu realisieren, waren umfangreiche Arbeiten notwendig: Neben dem Abriss des ehemaligen Hallenbades und der Neuerrichtung des Heizwerks auf diesem Gelände mussten rund 2.200 m Wärmeleitungen verlegt werden. Umso bemerkenswerter, dass vom ersten Spatenstich bis zur Wärmeversorgung der ersten städtischen Schule nur 7 Monate vergangen sind. Dies ist vor allen Dingen den beteiligten Unternehmen zu verdanken, die zu 95 % aus unserer Region kommen und eine effektive Zusammenarbeit möglich gemacht haben.

Auf Basis des Gutachtens wurde folgendes Wärmeversorgungskonzept realisiert:

Die Errichtung eines zentralen Heizwerks, das aus einem Holzhackschnitzellager und einem Heizungsraum mit drei Heizmodulen besteht:

  1. Ein Holzkessel, der aus naturbelassenen Holzhackschnitzeln Feuerungswärme erzeugt und rund 80 % der benötigten Wärme bereitstellt. Dieser Kessel wird nur in der Heizperiode betrieben (Herbst bis Frühjahr).
  2. Ein Gaskessel, der in den restlichen Monaten die Wärmeversorgung sicherstellt und in den Wintermonaten die möglichen Spitzen abdeckt, die vom Holzkessel nicht mit ausreichender Leistung versorgt werden kann. Zusätzlich übernimmt der Gaskessel die Redundanz der Gesamtanlage bei Störungen des Holzkessels.
  3. Ein Mini-Blockheizkraftwerk, das in den Sommermonaten hauptsächlich die Warmwasserversorgung der beiden angeschlossenen Sporthallen übernimmt und ganzjährig die Gesamtwärmeversorgung unterstützt. Die gleichzeitig erzeugten Strommengen decken rechnerisch den Strombedarf des Heizwerks und der Übergabestationen und führen die überschüssigen Mengen den Schulgebäuden zu.

Die Verlegung eines Wärmenetzes mit Plattenwärmetauschern als Übergabestationen in den einzelnen Gebäuden, wodurch die dortigen Heizkessel abgelöst worden sind.

In der Planungsphase wurden die notwendigen Anschlussleistungen den tatsächlichen Gegebenheiten exakt angepasst. Hierdurch konnten fast 50 % der bisher installierten Kesselleistung eingespart werden.

Nach der Probephase in den ersten Monaten konnten im laufenden Jahr 2013 bereits die ersten Daten aus einem regulären Heizbertrieb gewonnen und analysiert werden. Die Ergebnisse flossen direkt in die weitere Optimierung der Gesamtanlage ein und haben die Abstimmung der einzelnen Module untereinander und die Abhängigkeiten von Erzeugung und Verbrauchsstellen spürbar verbessert. So konnten die Stadtwerke  dem Ziel einer effizienten Wärmeversorgung bereits im ersten regulären Betriebsjahr sehr nahkommen.

Rund 1,6 Mio Euro haben die Stadtwerke Arnsberg in das neue Heizwerk und die Realisierung des Wärmenetzes investiert. Die Investition ist durch einen langfristigen Liefervertrag mit Stadt und Hochsauerlandkreis abgesichert. Die realisierte zentrale Lösung spiegelt dabei ein Konzept wider, das neben den wirtschaftlichen auch die ökologischen Aspekte durch Reduzierung schädlicher Treibhausgase berücksichtigt. Für die Schulen bedeutet die Wärmeversorgung durch die Stadtwerke Arnsberg eine langfristige Partnerschaft, die durch weitere Effizienzmaßnahmen weiter entwickelt wird.

Anlagendaten:

Heizwerk mit 3 Modulen:

Holzkessel: 850 kWthermisch
Gaskessel: 2.000 kWthermisch
BHKW: 49 kWthermisch
  19 kWelektrisch
Wärmeleitungen gesamt: 2.174 m
Angeschlossene Gebäude: 6 Liegenschaften (13 Gebäude)

Das Projekt ist aufgrund des Einsatzes des nachwachsenden Rohstoffs Holz klimaneutral und setzt rein auf regional gewachsene Hölzer.

Wärmeerzeugung:

Gesamtwärmebedarf: rd. 4.000 MWh
Anteil Holzkessel: 3.200 MWh (80 %)
Anteil Gaskessel: 560 MWh (14 %)
Anteil BHKW: 240 MWh (6 %)
Erzeugte Strommenge aus BHKW: ca. 100.000 kWh/a

(deckt den gesamten Strombedarf des Heizwerks und wird ansonsten von den städtischen Schulen fast vollständig direkt verbraucht)